| Josef Budek |
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Lexikon Angewandter Verglimpfung
von DDR-Wortpraxis und Lebenserfahrung
CD-Lexikon - reich betont und bebildert - mit einem zusätzlichen Informationsbereich F UDDR mit Stasi F hier: Demofassung E von fast 1000 Stichwörtern nur einige Dutzend Vorbemerkung des Herausgebers: Lexikon
Angewandter Verglimpfung - dafür hat
der Verfasser viele Wörter, die in
der
DDR gang und gäbe waren, mit Verve und auf Dauer gesammelt. Er selbst ist ja
gelernter K und hat alle diese selbst benutzt. Und (das ist sein
eigentliches Verdienst) er hat hinter und unter sie gefragt, hat die
Wortpraxis hinter/unter der gesellschaftlich-ideologischen Verhüllung der Wörter
hervorgepult F also verglimpft. Geleitworte des Verfassers: Mein
außerordentlicher Dank gilt
all
denen, die mir geholfen haben, die $ der Verglimpfung zu
finden
und
benutzen zu lernen. und zur zeitlichen Orientierung è Gezeiten der DDR Wem des Wissens nicht genug, wende sich Unserer DDR zu F UDDR - Verfasser und Herausgeber: Josef Budek - graphische Miniaturen: Kay West - mit herzlichem Dank! a priori ð Von
vornherein war die DDR der bessere deutsche Staat, weil
ein sozialistischer Staat, weil auf der Seite des Fortschritts; deshalb
F K Sieger der
Geschichte. Beweise F Dokumente der SED und Blockparteien, Gewerkschaften und
aller Massenorganisationen; F Verfassung,
Einleitungen zu Gesetzen, wissensch. Werke der
Diplom-Historiker und Diplom-Philosophen, Lexika aller Fachrichtungen,
Werke der Kunst-, Natur-, Wirtschaftswissenschaftler; F
schöngeistige
Literatur, Bühnenwerke, Dichtung. è Stolz, è Nation, trotz è 17. Juni 1953 und è Antifawall A ð M ,
wenn nicht genehmigt. Schon in Bertold Brechts
Theaterstück Die Mutter erklärt der Lehrer Iwan Wessowtschikow:
"Das A bei Arbeiter ist genau wie das A bei Ausbeutung."
SED-Parteisekretäre wurden mißtrauisch bei diesem Zitat. "Was soll das
hier bei uns? Wer sollte bei uns die Arbeiterklasse ausbeuten - wo sie
doch selbst an der Macht ist?" Der Verfasser erhielt für einen geplanten Knopf mit "A" 18 Monate Gefängnis. F "Anarchie";
kam im Zuge der 68-er
Bewegung aus dem Westen (über
Fernsehen oder durch Besucherç );
wurde von jungen
K benutzt, zunächst als mal was anderes, dann auch
gegen die sozialistische Ordnung gerichtet; wurde entsprechend geahndet
F
Disziplinarmaßnahmen, selbst ^ verhafteten ^
, ziehen sie des "Verrats an der heiligen Sache der Arbeiterklasse und
ihrer historischen Mission", verfehmten sie wegen Separatismus, è Reformismus, è Revisionismus, ideologischer Diversion F Atomwaffen;
zunächst offizieller
Protest gegen die NATO-Nachrüstung
[SZ], in trautem Gleichklang mit den westdeutschen Friedensfreunden; dann zunehmend gegen sowjetische Aal ð
sollte bestätigten Gerüchten zufolge durchaus auch in
DDR-Gewässern vorkommen, wurde jedoch nur auf den Tafeln der ^ und
ihrer Gäste
gesichtet; tauchte in Dosen im è INTERSHOP und in den DELIKAT-Läden
[BZ-SZ] als Deutsches Erzeugnis aus Schleswig-Holstein wieder auf.
Ansonsten Anlaß für üble Scherze. J Kommt ein Mann in ein
Fischgeschäft.
"Haben Sie Aal?" Der Verkäufer nimmt ihn beiseite. Nach einer halben
Stunde fragt er den Kunden: "Haben Sie gehört, daß irgend jemand nach
Aal gefragt hat?" "Nein." "Na also, und wozu soll ich mir so 'nen
Ladenhüter zulegen?" BAM ð
Baikal-Amur-Magistrale; 2. große Sibirische
Eisenbahntrasse; DDR-Jugendliche bauten mit; denunzieren
ð ebenso verpönt wie in jedem anderen zivlisierten Land.
Doch
da meldete der freundliche Nachbar, der sich eben von seinem Nachbarn
einen Hammer ausgeborgt hat, dem ABVç oder
der VPç , daß
sein
Nachbar an
einem komischen Ding baue, das wie ein
Propeller aussehe. Flugs kamen Genossen der Kriminalpolizei (Abt. K Iç ) und
begutachteten den Propeller, wobei sie fanden, daß der
Propeller für ein Fluchtgerät geeignet wäre. Denn der Bürger sei nach
Befragung kein aktives Mitglied der GSTç und
habe sowieso
keine Sondererlaubnis, zuhause einen
Propeller anzufertigen. Also: Verdacht auf Republikflucht, weshalb die
sofortige Mitnahme des Betreffenden erfolgte zwecks è Klärung
eines Sachverhalts. Ein Mitglied
der HGLç meldete dem Genossen
ABV, daß die Familie in der ersten
Etage links am letzten Montag und Mittwoch Westbesuch gehabt habe, ohne
dies dem Hausbuchführer zu melden; einmal eine männliche Person in
einem dunkelblauen Wintermantel mit grauem Hut, das zweite Mal
diesselbe Person und eine weibliche mit braunem Pelzmantel. Der erste
Besuch habe etwa zwei Stunden am Nachmittag, der zweite bis in den
späten Feuerbachthese, apokryphe, von K. Marx ð Fundamental-Drohung der Kommunisten: "Die Philosophen haben die Welt bisher noch nicht kaputt gekriegt - daran muß doch zu drehen sein!" Fischerinsel ðTeil des histor. Berlin (südlichster Teil der Spreeinsel: Museums-Insel, Schloß-Insel, Fischer-Insel); abgerissen für Neubau-Komplex, besonders für Kaderç und verdienstvolle K . Firma ð damit war die Stasiç gemeint. FKK ð
Freikörperkultur; © als eine der fundamentalen persönlichen Freiheiten; in
ständiger Ausbreitung Freundschaftsgrenze ð zu Polen und der Tschechoslowakei. Bis 1973 gab es nur
die
Möglichkeit, mit "Freundschaftsdelegationen" oder auf besondere
Einladung/Erlaubnis in diese Länder zu reisen. Erst nach dem Abschluß
des deutsch-deutschen Grundlagenvertrages wurden diese ~n für K
geöffnet. Nun konnte
der K mit
Personalausweis dorthin fahren und DDR-Mark umtauschen. Doch weil die K zu
kaufwillig waren
(besonders Grundstücke hinter der ~), schränkte die tschechische
Regierung den Umtausch auf 30 Mark/Tag ein. Friedensbewegung ð Am 1.9.83 war eine Kerzenkette von der US-Botschaft bis zur SU-Botschaft geplant; aber schon nach einer halben Stunde, d.h. nach ca. fünfzig Metern, von Polizei-Kommandos unterbrochen; Festnahmen. 1983 gab es Gesprächsrunden und Demonstrationen auf den Kirchengrundstücken (erlaubt als geschlossene Veranstaltung): "Frauen für den Frieden", u.ä.; Stasi-Mitarbeiter, als Reporter getarnt, stellten Fragen, die auf Straftatbestände zielten. Vor den Kirchen wurden Baustellen eingerichtet: Fußwege abgesperrt, mit Preßlufthämmern die Straße aufgerissen, Passanten mußten auf die andere Seite wechseln, Sprechchöre und Gesänge zur Gitarre/Blockflöte vom Kirchengelände waren nicht zu hören. Aktion "Fasten für den Frieden" zunächst in der Kirche, dann (August) an den Arbeitsplätzen geplant, doch nur von wenigen durchgeführt. Fasten wurde als Gefährdung der Sicherheit der DDR gewertet, den Fastenden wurde mit Strafe gedroht. Manche Arbeitskollegen allerdings hatten Verständnis, fanden den stillen Zweikampf mit der Staatsmacht spannend. Innerhalb der ev. Kirche gründeten sich Friedenskreise, die natürlich nur unter Beachtung konspirativer Spielregeln zusammenkommen konnten. (Die kannte man aus kommunistischen Filmen.) ¤ Verständigung mit Berliner Taxifahrer: "Könn'se den dunkelgrünen Wartburg hinter uns loswerden?" Nach einem Blick in den Rückspiegel: "Mach'n wir glatt!" Schwupps - durch die Nebenstraßen Haken geschlagen und die Stasi abgehängt. è Stasi Friedenskampf,
Friedenskämpfer ð die _ in
der DDR und in den
Bruderländern
standen 24 Stunden des Tages im ~; auch den "richtigen"
Freiheitsbewegungen anderswo wurde dieser Titel zuerkannt. ¤ Lied
bei der Fahneç Fern
von hier, am Deutschen Eck, Friedenskämpfer stehn auf
Wacht! Damit waren die _ der
KPD/DKP gemeint. è Kampflied Gezeiten der DDR [ ð manchmal ging es bergauf, manchmal wieder runter; je
nach
der Konstellation der SED-Parteibeschlüsse innerhalb der terristischen
Fremdbewegung, Fsynchron oder asynchron zur Moskauer Partei-Zeitrechnung; Humor ð "Die Belebung echten Humors ist entscheidend an die Erneuerung aller zwischenmenschlichen Beziehungen geknüpft, wie sie sich im solidarischen Kampf der Arbeiterklasse und beim Aufbau des Sozialismus entwickeln. ... In der sozialistischen Kunst und Literatur der Gegenwart nimmt der H. seinen Platz als Reflektor des Heiteren in diesen sich herausbildenden neuen Beziehungen ein." (Kulturpolit. Wörterbuch, Dietz-Verlag 1970); Der Galgenhumor der K entzog sich der Definitionskunst der _ Kulturwissenschaftler. $ Eigentlich war ihnen der bissige Humor der Straße nicht geheuer/nicht kontrollierbar. è Schwejk, è Witze HWG ð Person mit häufig wechselndem Geschlechtsverkehr. Stempel hinten in den Personalausweis. Judenwitze ð die
alten, die man noch von den Eltern kannte, wurden früher
hinter vorgehaltener Hand erzählt; später [BZ] wieder offen, neben
neuen deutschen vor allem aus der Sowjetunion.J F Vor
einem Moskauer
Geschäft steht eine lange Menschenschlange, weil es heute Fleisch geben
soll. Zur Öffnungszeit kommt der Verkaufsstellenleiter heraus: "Nur
Geduld, Leute! Ja, es kommt Fleisch, aber es reicht natürlich nicht für
alle. Die internationale Futtermittelkrise trifft auch uns. Wer Jude
ist, kann schon mal gehen." Gegen Mittag kommt er wieder heraus. "Also,
Leute - es kommt Fleisch, aber nicht so viel wie geplant. Die
internationale Solidarität verlangt schließlich auch von uns Opfer. Die
Sympathisanten können nachhause gehen." Nachmittags kommt er zum
dritten Mal heraus: "Genossen! Leider kommt heute wohl kein Fleisch
mehr. Aber euch brauche ich ja nichts zu erklären." Erwidert ein
Genosse: "Alles mögliche verstehen wir, nur eines nicht: Warum werden
die Juden immer bevorzugt?!" è Antisemitismus Jugendbaustellen ð Seit der Aktion è Max
braucht Wasser [VZ] gab es ständig
neue Großobjekte, an denen
vorrangig die
Jugend eingesetzt wurde F Talsperre des Friedens Sosa, Eisenhüttenkombinat Ost,
Kraftwerk Trattendorf, Altmärkische Wische, Friedländer Wiese,
Überseehafen Rostock, Flughafen Schönefeld, Erdölkombinat Schwedt,
Kernkraftwerk Nord, Drushba-Trasse, BAMç ,
Erdgastrasse
Sowjetunion u.a.; da war Abenteuerlust dabei,
eigenes Geld, "Frohes
Jugendleben"ç
, das Gefühl, das eigene Land auch für sich selbst aufzubauen und so
einen Anteil daran zu haben. Kartoffelkäfer, kalifornischer ð O wurde von imperialistischen Flugzeugen, die dafür die großzügigen Überflugrechte mißbrauchten, über den LPG-Felder abgeworfen, um den siegreichen Vormarsch des Sozialismus aufzuhalten. $ breitete sich der ~ vor und während des II.Weltkrieges von Südwest-Frankreich her über Europa aus. Kartoffelpufferinsel ð Rügen, Zipfel im Jasmunder Bodden. Da gab es den ganzen Tag über während der Ferienzeit kleine Kartoffelpuffer für 30 Pfennige. Eine Hausfrau war durch einen Zufall darauf gekommen, daß die FDGB-Urlauber ihre Verpflegung gern ergänzen würden. Sie erhielt die staatliche Erlaubnis, zunächst allein, dann - mit zunehmendem Zuspruch - mit anderen Frauen an mehreren Gas-Zweiflammern vor ihrem Haus Puffer zu backen. Die K füllten einen Teil ihrer Ferienzeit mit dem Anstellen, bis zu vier Stunden - dann war man schon an der Reihe. Kindergarten
ð Teil des sozialistischen Bildungssystems; F
Gesetz über das
einheitliche sozialistische Bildungssystem der D.D.R., § 11: "Die
Kinder sind zur Liebe zu ihrer sozialistischen Heimat und zum Frieden
zu Kinderpanzer
ð Die größeren Pionierhäuser waren reichlich
ausgestattet. So
besaßen sie zur besseren klassenmäßigen Erziehung der Kinder auch
Panzer und < Gasmaske für Kinder kinderreiche
Familie ð Familie
mit 4 und
mehr Kindern; genoß Vorzug bei Vergabe einer Wohnung, von Ferienplätzen
und Einrichtungskrediten; Vorzug auch beim Erwerb eines PKW oder
Kleinbus vom VEB Autohandel (Gebrauchtwagen). è Kredite Kind krank ð
neben der allgem. gebräuchl. Ausrede für Arbeitsbummelei © für das
Fernbleiben von
Demonstrationen, Kundgebungen, Feierstunden, Betriebsversammlungen
verwendet. Dabei gab es auch Absprachen unter den Kollegen/KolleginnenF Art
der Krankheit,
Dauer; ¤
"Masern hatte dein Kind schon mal. Jetzt ist meins dran." Im Sommer
einundsechzig (Kampfgruppen vor dem Brandenburger Tor)
Text: Heinz Kahlau (prominenter DDR-Dichter),
Musik: Wolfgang Lesser (ab 1985 Präsident des DDR-Komponistenverbandes) Ja, die _ Künstler waren stolz auf die revolutionäre Tat ihrer _ Kämpfer und _ Bauarbeiter, vor allem jedoch auf die Chuzpe ihrer ^ ! è Antifaschistischer Schutzwall èStolz Klärung eines Sachverhalts ð Formel der Genossen von der K I, um einen verdächtigten Bürger unverzüglich der Stasi zuzuführen. "Gomm'se mit, zur ~!" Keine Erklärung - keine Widerrede. è K I. Klassenbewußtsein ð "In seiner wissenschaftlich begründeten Form entsteht es mit der Entwicklung des Marxismus-Leninismus, der durch die marxistisch-leninistischen Parteien in die Arbeiterklasse hineingetragen wird." (Kleines Politisches Wörterbuch, Diez-Verlag) F Wenn K endlich begriffen hatte, daß er zur Arbeiterklasse gehörte, also zur herrschenden Klasse, daß es ihm also besser ging als den ausgebeuteten Arbeitern im Westen, dann besaß er ~. è a priori, è Arbeiterklasse Kredite ð [FZ] als Ausbeutungs- u. Manipulationsinstrument des Kapitalismus gebrandmarkt; [BZ] FKonsumtionskredit für erste Wohnungseinrichtung: Für junge Ehepaare bis 25 Jahre. Man mußte sich also beeilen mit der Heirat. Anschließend konnte man diesen 'Kredit "abkindern", d.h. mit 3 Kindern wurde die Kreditsumme (500,M) komplett erlassen. Rentnerkredit für Fernseher, Kühlschrank, Waschmaschine; F Hausinstandsetzungskredit für Arbeiterfamilien und kinderreiche Familien (Baumaterial gab es natürlich nicht, da mußte man findig sein und è organisieren.); F Kredite für Betriebe und Kommunen als Überschreibung staatlicher Nichtgelder. Kritik ð Erziehungsinstrument des Kollektivs am einzelnen; nur ^ oder besonders im Klassenkampf gestählte _ sind in der Lage, als einzelne konstruktive ~ zu üben, ohne dem Kritizismusç zu verfallen; für Normal-K ansonsten M , außer, er zeigte Mißstände an, die die Partei regeln konnteF fehlender Zement auf Baustelle; è besonderes Vorkommnis;è Selbstkritik;è Satire Lager für
Erholung
und Arbeit ð für
Oberschüler, und
Lehrlinge
(Azubis); Arbeit auf einer sozialistischen Groß-, Jugendbaustelle,
anschließend Ferienlager in Zelten o.ä.;a hat
auch Spaß gemachtF etwas Geld verdient
für die Ferien, ohne die Eltern anbetteln zu müssen; und nach
dem Feierabend "frohes Jugendleben"; F für
Studenten galt das
entsprechende
Programm Studentensommer è Bildungswesen Malimo ð
Gewebe, Strick-Gewirk; bes. für Industriegewebe (Filter),
aber auch für Haushaltstücher verwendbar. Erfinder: Mauersberger an der
TH Karl-Marx-Stadt; er brauchte ca. 10 Jahre, um die ^ von
der
vorteilhaften Produktion zu überzeugen; nach Anerkennung aus Italien,
Frankreich und Schweiz endlich als große DDR-Erfindung gefeiert. è Erfinderstolz NATO-Lulle ð Westzigarette; gegen Westgeld im INTERSHOPç oder im Fress-Exç für DDR-Mark erhältlich NATO-Pelle ð Nylon-Regenmantel aus dem Westen. natürlich ð ~ geht das jetzt schon kaputt!; ~ gibt's im Winter keine frische Petersilie! OV ð operativer Vorgang: Aufspüren, Analysieren, Einschätzen, Bearbeiten mit allen tschekistischen Mitteln und Methoden.
Parteiinterne Information ð wurde von den ^ über die Bezirkssekretäre, Kreissekretäre und Betriebssekretäre an die _ weitergegeben, was nicht an die große Glocke gehängt werden sollte; ¤ In den nächsten Tagen, wenn das neue Lohnsystem wirksam wird, kann es zu Unruhen unter den Arbeitern kommen, die auch der Klassengegner ausnutzen wird, um unsere Partei in Mißkredit zu bringen und einen Keil zwischen Partei und Arbeiterklassse zu treiben. Deshalb gilt jetzt erhöhte Wachsamkeit! Jeder_ hat auf seinem Platz zu sein und offensiv die Linie der Partei zu vertreten. Urlaub gibt es nur in direkter Abstimmung mit der Parteileitung. Renommierpimmel J auch Protzkeule F Fernsehturm am Alex; die Bezirks-Parteileitung Berlin versuchte krampfhaft, einen anderen Namen in Umlauf zu bringen; Langer Lulatsch wurde sogar probiert, stieß aber auf Ablehnung, weil so der Funkturm heißt. In der Berliner Zeitung wurde sogar ein Wettbewerb veranstaltet; von Moderatoren in Funk und Fernsehen wurde mit wenigen Ausnahmen der Kosename Telespargel verwendet. Die K waren stolz auf ihren Fernsehturm. Die Partei hatte ihn an dieser Stelle geplant, damit er von allen wichtigen Straßen, auch in Berlin(W) gesehen werden kann. Aber für die vielen Berliner, die sich nicht mit der DDR identifizierten, war und blieb er der R~. Und er funktionierte nicht, wie von den Fernsehleuten gefordert. Es gab auch keine Kabel-Verbindung zu den Fernsehstudios von Adlershof und Johannisthal - wie vorgesehen. Das darumherumliegende Stadtzentrum leidet unter schlechtem Empfang wegen Überstrahlung. Hauptsache, daß er höher wurde als der Eiffelturm von Paris! (Die westlichen Alliierten hatten gegen den Bau des ~ Protest eingelegt, weil er in der nördlichen Einflugschneise von Tempelhof liegt. Sie wollten jeglichen hohen Turm in Stadtgebieten verbieten lassen, aber die Franzosen spielten nicht mit. Revisionismus, Revisionist ð M Denkart, bes. bei è alten_ ; im Ausland bei Sozialdemokraten, Eurokommunisten. F Revision der theoretischen Positionen des Marxismus-Leninismus; $ andere Auffassungen von Sozialismus/Kommunismus; knabberte an der Macht der einen Partei. Satire ð "Zu dem aktuellen Anliegen der sozialistischen ~, Anachronismus und Menschenfeindlichkeit des Imperialismus mit dem künstlerischen Wort zu treffen und zu entlarven, tritt mit dem Aufbau der sozialist. Gesellschaft zunehmend ein neuer satirischer Auftrag: Entwicklungswidersprüche der Individuen und der sozialist. Gesellschaft signalisieren und lösen zu helfen. ... Der sozialist. Arbeiter-und Bauern-Staat, der die machtgewordene Grundlage der Aufhebung aller satirischen, ahumanen Zustände ist, kann nicht mehr Gegenstand der ~ sein, sondern vielmehr die ästhetisch fruchtbaren Fälle subjektiver Divergenz mit dem neuen staatlichen Wesen und Anliegen. Ebenso fordert die Überwindung der sozialen Katastrophen durch die nun beherrschte Entwicklung von der ~, jetzt als ein besonderes 'ästhetisches' Signalsystem in Erscheinung zu treten, um die sozialistische Öffentlichkeit auf solche Entwicklungsprobleme und Entwicklungswidersprüche hinlenken zu helfen, für deren Lösung die gesellschaftlichen Kräfte bereits vorhanden sind." (Kulturpolit. Wörterbuch, Dietz-Verlag 1970) Die ~künstler waren sich ihres Auftrags wohlbewußt und arbeiteten voll den Klassenstandpunktç in der ~ heraus: "Mit unserm Lachen besiegen wir den Feind." Wer dagegen verstieß, landete im Aus oder im Knast. Führende ~organe F DISTEL,è EULENSPIEGEL Schüler vom Dienst ð hatte eine Woche lang Ordnungsdienst in der Klasse, beim Antreten vor der Schule, nach der Pause; Meldung zu Beginn jeder Unterrichtsstunde: "Melde: die Klasse 8a zum Untericht bereit. Die Schüler Meier und Schulze sind krank, der Schüler Zickel hat seine Hausaufgaben vergessen. Es meldet der Schüler vom Dienst Kabulke." Schwejk ð "Die Abenteuer des braven Soldaten ~"; Romanfigur von J. Hasek; Tschechischer Schalk; Satire auf die Österreich. Monarchie in der Zeit bis I.Weltkrieg; ~ F Typ des Anpassers, aber auch Widerständlers durch strikten Gehorsam und wortwörtliches Befolgen unsinniger Anweisungen; J war an ~ geschult, bes. die Ni_ übten sich in der Nachahmung. è Humor, è Witze SED ð
Sozialistische Einheitspartei Deutschlands; war 1946,
nachdem die KPD in der Sowjetischen Sonderzug nach
Pankow ð 1)
Lied von Udo Lindenberg [SZ-EZ]. Wurde überall laut
gespielt, daß es aus den Fenstern dröhnte; in den Schulen heftig aber
erfolglos bekämpft; wurde zum Stein des Anstoßes, löste heftige Streits
aus zwischen den angepaßten Eltern und den aufmüpfigen Kindern, die
seit ihrer Geburt eingemauert waren und nie eine Wahl hatten zwischen
diesem Land und einem anderen. 2) Transport polit. Gefangener ins
Stasigefängnis am Kissingenplatz; abgetarnt als Kühlwagen Alles
frisch vom Fisch oder Elektroreparaturen u.ä. è Dissident Stasi ð
Ministerium für Staatssicherheit (MfS); "Schild und Schwert der
Partei"; "wichtigstes
MfS insgesamt 91.000 hauptamtliche (feste) Mitarbeiter, incl. ¤Wachregiment "Feliks Dzierzinsky" Das MfS war auftragsgemäß flächendeckend tätig. Die 15 Bezirksverwaltungen (BV) hatten bis zu 4.000, die Kreisdienststellen (KD) bis zu 200 Mitarbeiter. Der größte Teil der operativen Arbeit wurde auf diesen Ebenen geleistet. In den Kreisen waren ungefähr 10.000 hauptamtliche und ca. die Hälfte der 174.200 Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) tätig. Strukturell ähnelten KD und BV der Zentrale. Die Leiter von KD und BV waren direkt dem Minister unterstellt. Objektdienststellen (OD) waren auf sicherheitsrelevante Einrichtungen, Betriebe und Objekte beschränkte Dienststellen des MfS. Versammlungsfreiheit ð von d. Verfassung (Art.28) garantiert. Sie konnte von jedem K ausgeübt werden, sofern sie nicht den objektiven Klasseninteressenç der Arbeiterklasse entgegenstand; dann handelte es sich um Mißbrauch der ~. Selbst eine zufällige Gruppe von Passanten, die sich um einen Gitarrenspieler scharte, konnte als verbotene Versammlung eingestuft werden (nach der "Stadt-Ordnung") è Freiheit vier
Stadtmusikanten ð "Das
Märchen von den ~."
statt Bremer Stadtmusikanten, denn Bremen lag nicht in der DDR.
Da
gab
also besonders aufmerksame _ , die solche Feinheiten aufspürten. ¤ Das
Berliner Lied:
"Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein, und dann
nischt wie raus zum Wannsee!" wurde geändert F ...nischt
wie
raus zum Strandbad! - Der Wannsee lag ja in "Westberlin", also weit
außerhalb der DDR!è Erbe Waschbär "Vibrette"ð
handliches, hochmodernes Ultraschall-Gerät zum Wäschewaschen
in der
wegkaufen ð ewige Angst der L , die bis in die [NZ] reicht. Bald waren es die Polen, die rosa Damenunterwäsche kauften, bald die Tschechen, die in Dresden Butter kauften [BZ]. " Die K überrannten sich gegenseitig auf den Märkten in Polen, als 1973 die Grenzen nach Osten und Südost aufgingen. In der Tschechoslowakei kauften sie Grundstücke en gros, so daß die Prager Regierung den Umtausch von DDR-Mark in Kronen drosseln mußte. Westgrundstück ð von Westdeutschen/Westberlinern, die nach Pfingsten 1952 (Bundesrepublik trat den Pariser Verträgen bei) nicht mehr ihre Grundstücke/Schrebergärten betreten durften, aber ihre Pacht weiterhin an die Gemeinde in der DDR/Ostberlin in Westmark zahlen sollten, weil es ja weiterhin ihr Eigentum war (auch nach DDR-Recht). Später wurden die Grundstücke/Schrebergärten unter DDR-Treuhandschaft gestellt. Nach dem Mauerbau wurden diese dann an K in Pacht gegeben. Die Pachtgebür betrug für ein Haus mit Garten ca. 120,-M/Jahr, wurde auf ein Sonderkonto eingezahlt. Im folgenden Jahr konnten davon die Kosten für Sanierung/Instandhaltung zurückverlangt werden. So wurde das Pachtkonto immer auf Null gehalten. Jeder Pächter wußte, um was für eine Art Grundstück es sich handelte, zumal die Nachbarn die Eigentümer noch persönlich gekannt hatten. Westoma ð © , weil sie Pakete schicken konnte; ab 1973 auch Westgeld auf ein Sonderkonto. J bei der Fahne: Schickt ein Soldat seiner Westoma ein Paket mit einer Handgranate. "Liebe Oma, wenn du an dem Ring kräftig ziehst, bekomme ich drei Tage Sonderurlaub." Zersetzung ð Richtlinie Nr. 1/76 des MfS: Auszug
Zonen-Elvis ð J F Frank Schöbel, Schlager-Sänger neuen Typus', feierte Erfolge nach dem Aufruf der Partei (1963), zündende sozialistische Schlager zu schreiben und zu singen. Zündende Schlager ð "In
Zukunft wird man dann weniger in der DDR Westschlager
singen als vielmehr in beiden deutschen Staaten zündende Schlager aus
der DDR mit Texten, die unserem neuen Lebensgefühl entsprechen."
(Jugend-Kommuniqué der SED, 1963); danach F
Gründung des Oktober-Klubs,
DT 64, FDJ-Diskotheken. Zwangsadoption
ð Kinder von gestoppten Flüchtlingen, Volksverrätern oder
Dissidentenç kamen
zuerst in eines der staatl. Heime. Wenn sie begriffen
hatten, daß ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind,
wurden sie zur Adoption bei zuverlässigen K
freigegeben. So konnten auch
sie zu
ordentlichen K erzogen werden.è Bildungswesen.
In wenigen Fällen konnte das Rote Kreuz vom Westen her die
Kinder ausfindig machen - mit Unterstützung kirchlicher Sozialarbeiter.
Oft kam es erst nach dem Mauerfall zur Wiederbegegnung mit den
leiblichen Eltern. Da war Ratlosigkeit auf beiden Seiten - mitunter
auch Entsetzen. zwei Pioniere ð J "Ich mache zwei Pioniere aus dir!" F scherzhafte Drohung, jemanden fertig zu machen, in Stücke zu hauen. zyklische Krise ð Typisch für den Kapitalismus, der daran zugrunde gehen
wird. Im Sozialismus hingegen
entwickelt sich alles geradlinig bis zum endgültigen Sieg des
Kommunismus, dank der zielstrebigen Arbeit der L
unter Führung der _ mit den ^ an der Spitze. è a priori |